
Matthias Keilich beendete sein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie dffb im Fachbereich Drehbuch und Regie mit seinem Abschlussfilm „Nicht Fisch, Nicht Fleisch“, der auf vielen internationalen Festivals lief und diverse Auszeichnungen erhielt, u.a. die Nominierung für den "First Steps Award“ und den Deutschen Kamerapreis. Auch seine vorherigeren Kurzfilme gewannen Preise und Auszeichnungen, unter anderem den Jurypreis des Filmfests St. Petersburg und die Nominierung für den Deutschen Kamerapreis. Besonders fruchtbar hat sich die Zusammenarbeit mit der Autorin Khyana el Bitar erwiesen. Gemeinsam entwickelten sie das Drehbuch zu dem Spielfilm „Die Könige der Nutzholzgewinnung“, der unter seiner Regie im Spätsommer 2005 realisiert wurde.
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Die Arbeit an „Die Könige der Nutzholzgewinnung“ war deine zweite Regietätigkeit. Welche Unterschiede gab es dabei im Vergleich zu deinem ersten Film "Nicht Fisch - nicht Fleisch"?
Ehrlich gesagt, tiefschürfende Unterschiede gab es keine. Bei meinem ersten Film haben Laiendarsteller neben ausgebildeten Schausspielern agiert, das war zum Teil harte Arbeit. In den "Königen der Nutzholzgewinnung" konnte ich mit einem Ensemble hervorragender Schauspieler arbeiten, das war natürlich leichter, weil gute Schauspieler schon eine ganze Menge anbieten und die Kommunikation leichter ist. Bei beiden Filmen habe ich die Dreharbeiten sehr genossen. Es gibt für mich nun mal nichts Schöneres als am Set zu stehen.
Welche Beziehung hast du zum Lumber-Sport? Kanntest du diese Sportart vor der Arbeit am Film bereits?
Ich kannte das Vorbild des Lumber-Sports, die Forstmeisterschaften, schon als Kind. Ich bin im Schwarzwald mit dem Klang der Motorsägen aufgewachsen, meinem Großvater gehörte ein kleiner Wald; selbst mein Name "Keilich" ist laut einiger Etymologen der Hinweis auf eine Tradition als Waldarbeiter in meiner Familie.
War der Handlungsort Harz von vornherein klar, oder welche Gründe waren entscheidend, den Film dort spielen zu lassen?
Ich kenne den Harz schon länger und war schon immer von diesem schönen Wald fasziniert. Ausschlaggebend war aber, dass die Co-Autorin Khyana el Bitar in Tanne/Harz Verwandte hat, die uns bei den Recherchen zum Drehbuch sehr unterstützt haben und dadurch war es eigentlich schon bald klar, dass wir dort drehen würden, einfach weil dieser Ort zu einem Stück Heimat geworden ist.
Wie lange haben die Dreharbeiten gedauert? Welche Schwierigkeiten mussten dabei von dir und deinem Team bewältigt werden?
Wir haben 30 Drehtage gearbeitet, jedoch schon während der Dreharbeiten nachdrehen müssen, weil wir einen bösen Negativschaden zu beklagen hatten. Die größte Schwierigkeit war jedoch die Auflage von Versicherung und Oberforstdirektion, dass Team und Schausspieler mindestens 2 Baumlängen Sicherheitsabstand bei Fällarbeiten einhalten mussten. Das hat uns zunächst in Panik versetzt. Letztendlich haben wir die Auflagen erfüllt und unsere Aufnahmen in den Kasten bekommen.
Nach welchen Kriterien wurden die Schauspieler ausgesucht und wie bist du auf sie aufmerksam geworden?
Ein paar Schausspieler waren von vornherein klar: Das sind Freunde, mit denen ich sehr gerne arbeite und denen wir die Rolle gewissermassen auf den Leib geschrieben haben. Das Castingprofil für die anderen war vielfältiger. Sie sollten möglichst keine verbrauchten Gesichter haben, um sie als Bewohner eines Harzer Dorfes glaubwürdig zu machen. Sie sollten auch ein hohes Maß an emotionaler Tiefe und Spielintelligenz mitbringen.
Unterstützt von der großartigen Casterin Karen Wendland (“Schultze gets the Blues”, “One day in Europe”, “Ping Pong”) haben wir, so glaube ich, fast jeden männlichen Darsteller zwischen 35 und 45 Jahren in Deutschland gecastet; den Hauptdarsteller Bjarne Mädel aber dennoch erst 4 Wochen vor Drehbeginn gefunden - das Kind, das Bjarnes Sohn im Film spielt, sogar erst 2 Wochen vor Drehbeginn.
Wie habt ihr die Komparsen für den Film gefunden?
Die Komparsen sind eigentlich fast alle Mitglieder des Harzclubs oder aber des Countryclubs Blankenburg. An erster Stelle waren es allerdings die Bewohner des Dorfes Tanne, unserem Drehort.
„Könige der Nutzholzgewinnung“ behandelt verschiedene Ebenen, z.B. zwischenmenschliche Beziehungen und Arbeitslosigkeit. Welches Thema lag dir dabei besonders am Herzen?
Wir hatten Lust einen Film über richtige Männer zu machen, die noch mit ihren Händen arbeiten. Und so kam eines zum anderen. Unsere Männer haben mit ihrer Arbeit nicht nur ihre Zukunft sondern auch ihre Identität verloren und deshalb war es im Drehbuch spannend zu ergründen, wie sie beides wieder zurückgewinnen.
Bezogen auf die aktuelle Problematik der Arbeitslosigkeit, die im Film zentrales Thema ist - welche Position soll der Film einnehmen?
In “Die Könige der Nutzholzgewinnung” werden eine ganze Menge Thesen aufgestellt: Es wird nie wieder Arbeit für alle geben. Arbeit ist mehr als Lohn - sie ist Lebensinhalt, Zukunft, Sicherheit und Identität. Wer trotz sprudelnder Gewinne seinen Mitarbeitern das alles nimmt, ist bei weitem der größere Verbrecher, als der, der vielleicht bei seinen Arbeitslosenbezügen ein bisschen mogelt.
Aber die wichtigste Erkenntnis der Könige ist doch, dass das Leben und die Liebe viel zu kurz kommen, wenn man in Resignation verharrt.
Die drei Hauptcharaktere zeichnen sich anfangs alle durch Erfolglosigkeit aus. Was macht sie deiner Meinung nach schließlich zu Königen?
Sie haben sich selbst besiegt. Krischan hat gelernt, endlich Verantwortung für sich und seine Mitmenschen zu übernehmen. Ronnie wird wieder als Mann wahrgenommen und Bert ist endlich zum Mann geworden. Jeder ist Sieger, wenngleich es ein klassisches Happy End nicht gibt.
Mit welcher Absicht hast du dich entschieden, diesen Film zu machen?
Ich will Filme machen, die ich im Kino selbst gern sehen würde. Und das ist gelungen!
Was erhoffst du dir, nehmen die Zuschauer aus dem Film mit?
Schön wäre es, wenn für die Zuschauer die Bäume ein wenig grüner werden, wenn sie mit einem Lächeln nach Hause gehen würden.
